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Torreiche zweite Halbzeit macht müden Start wieder wett
Von rotblauapp.ch
Nach der zweiwöchigen Nati-Pause ist heute endlich wieder Super League angesagt. Der Gegner aus dem Berner Oberland, der FC Thun, befindet sich aufgrund Verletzungspechs in einer schwierigen Phase. Während der FCB als Tabellenführer in die Partie geht, ist der FC Thun das momentane Schlusslicht der Liga. Die aktuelle Tabellensituation äussert sich dann auch im Resultat: 3:1 gewinnt der FCB das erste Spiel nach der Nati-Pause im heimischen Joggeli.
Das Spiel:

Die heutige Partie wird von einem tragischen Todesfall nach einem medizinischen Notfall in der Muttenzerkurve überschattet. So beginnt der Abend dann auch mit einer Schweigeminute.

Der FCB startet auffällig ins Spiel und kommt nach drei Minuten zur ersten Chance nach einem schönen Pass von Stocker auf Bua, der den Ball aufs Tor bringen kann. Stocker überzeugt weiter. In der fünften Minute zeigen er, Frei und Bua eine schöne Kombination, Buas Pass landet dann aber in den Füssen des Gegners. Einige Sekunden später lanciert Stocker Frei übers Zentrum, der nur knapp am Tor vorbei schiesst. In der Startphase laufen viele Aktionen über Stocker, der sich dem Spielaufbau verschrieben hat. Der erste Basler Eckball führt dann fast zum Führungstreffer, Cömert kommt zum Kopfball, Faivre kann aber parieren.

Die Basler starten mit viel Offensivdrang ins Spiel und zeigen schöne Kombinationen nach durchdachtem und ruhigem Spielaufbau Stockers. In der elften Minute köpfelt Cabral den Ball aus einer Schraube heraus in Richtung Tor - unterhaltsam, aber ungefährlich. Dann überzeugt Thuns Tosetti mit einem herrlichen Schuss aufs Tor. Aus dem Nichts und völlig entgegen dem Spielverlauf, aber schön. Bua fällt auch heute wieder positiv aus, ganz nach dem Motto «gring abe u seckle» stürzt er sich ins Spielgeschehen - Anita Weyermann würde sich freuen, wäre sie hier. 


Stocker zeigt eine gute erste Halbzeit. Bild: Philipp Kämpf

Wenn Omlin etwas zu Halten hat, dann hält er, so in der 19. Minute, als er einen Thuner Schuss glanzvoll abwehren kann. Es ist ein wenig aufregendes Spiel mit den bisher besseren Karten für den FCB. Nach einem schönen Doppelpass von Bua und Petretta trifft Stocker in der 27. Minute um ein Haar zum 1:0. Nach einem Fehlpass Alderetes kommen auch die Thuner noch zu einer Chance. Xhakas tolle Ballbehauptung goutiert das Publikum mit lauten Szenenapplaus. Toll, wie er kämpft. In der 29. Minute wird Bua an der Strafraumgrenze in den Rücken gestossen. Hänni verzichtet allerdings auf einen Freistosspfiff. 

Zbinden, der auf der Medientribüne sitzt, lebt das Spiel so richtig mit und regt sich lautstark auf, wo er nur kann. Verständlich, denn die Basler Chancenauswertung lässt zu wünschen übrig, während Thun kaum Spielanteile hat. In der 43. Minute kommen die Berner Oberländer noch zu einem Schüsschen aus der dritten Reihe. 

Wer nicht schon müde ins Stadion gekommen ist, der ist es spätestens jetzt. 

Einmal die Augen reiben und weiter geht's. In der 50. Minute kommt der FCB zu einem Freistoss. Kevin Bua schiesst, Kevin Bua trifft, der Ball wurde von der Thuner Mauer noch abgelenkt, ein Eigentor also. Endlich, der zweite Durchgang beginnt also vielversprechender. Die Stimmung wird jetzt etwas hitziger, Thun kassiert dann auch die erste gelbe Karte des Spiels. Das Resultat aus Bern wird eingeblendet, YB führt 3:0 gegen Xamax. Es wird für einige Sekunden ruhig im Stadion. Umso wichtiger also, dass die Basler endlich in Führung gehen konnten. 


Wenige Sekunden vor dem Basler Führungstor. Bua tritt zum Freistoss an und schiesst. Bild: Philipp Kämpf


Und dann ist er drin. Der FCB führt verdient mit 1:0. Bild: Philipp Kämpf

In der 56. Minute holt Stocker einen Freistoss einige Meter vor der Strafraumgrenze heraus. Zuffi und Bua besprechen sich, es ist aber Cömert, der schiesst und dabei nur die Thuner Mauer trifft. Wenig später kommt Rotblau erneut zum Freistoss. Zuffi zirkelt den Ball schön aufs Tor, leider hat er die Flugbahn etwas zu hoch angesetzt. Die Müdigkeit aus der Natipause sitzt einem nach wie vor in den Knochen. Nur Zbinden scheint genug Energie zu haben, Szenen ausgiebig zu kommentieren. Gut, da ist einer mit Herzblut dabei. 

Nach 60 Minuten kommt es erneut zu einer Schweigeminute, von der Kurve direkt ausgelöst. Sie verstummt und zeigt ein Spruchband für den zuvor verstorbenen Fan, der ein langjähriger Anhänger des FC Basel war. Die Aktion wird von den restlichen Zuschauern mit Applaus unterstützt. 


Das Spruchband der Kurve für den verstorbenen Fan.

In der 67. Minute gelangt der Ball in Rapps Füsse, der zum Thuner Ausgleich treffen kann. Schade, aber eine 1:0-Führung ist und bleibt eben ein zu dünnes Pflaster, vor allem nach derart vielen Chancen im ersten Durchgang. Eine Szene reicht und es ist wieder alles offen, wenn auch völlig entgegen dem Spielverlauf. 

Stocker muss heute einiges einstecken, holt aber dadurch auch immer wieder wichtige Standards für sein Team heraus. In der 72. Minute beispielsweise, als Bua den Freistoss tritt. Auch der Fussball schreibt manchmal lustige Geschichten, so ist es Rapp, der zuvor für Thun ausgeglichen hat, der danach zum 2:1 für den FCB trifft. Ein (erneutes) Eigentor also und die Führung für den FCB.


Das etwas chaotische 2:1 für den FCB. Bild: Philipp Kämpf

In der 75. Minute nimmt Koller Cabral vom Feld, für ihn kommt Youngster Pululu ins Spiel. Und er kann sich sogleich in Szene setzen. Alleine stürmt er in Richtung Tor, schiesst zwar Faivre an, Zuffi kann aber den Nachschuss zum 3:1 verwerten. Koller scheint in der Pause die Effizienz angesprochen zu haben, toll, wie im zweiten Durchgang endlich getroffen wird. Zuffi ist es dann auch, der in der 82. Minute in den Feierabend geschickt wird. Für die Schlussphase darf Campo noch ran. Auch Zhegrova kriegt noch etwas Einsatzzeit. Stocker darf unter die Dusche. 

Sie hat die erste Halbzeit etwas vergessen gemacht, diese zweite Hälfte. Vier Tore nach den müden ersten 45 Minuten, das ist - für ein Spiel nach der Nati-Pause - in Ordnung. Und der Sieg der Basler hätte gar noch höher ausfallen können, denn auch Alderete kommt in der 88. Minute noch zu einer guten Chance, schiesst aber Faivre an. Die Chancen aus dem ersten Durchgang erwähnen wir an dieser Stelle nicht nochmals. 

Kurz vor dem Schlusspfiff zeigt Zhegrova wieder einmal seine Dribbelfähigkeiten, sein Schuss landet aber neben dem Tor. Und dann wird's noch einmal laut im Joggeli. Bua wird im Strafraum leicht zurückgehalten, für einen Penalty reicht dies aber eher nicht aus. Gleichwohl folgt ein lautes Pfeifkonzert und grosse Empörung auf den Rängen. 

Dann ist Schluss. 3:1 gewinnen Kollers Mannen gegen den FC Thun und können die Tabellenführung verteidigen.

Mann des Spiels:

Bua sticht einmal mehr heraus. Er kämpft, behauptet Bälle und ist an fast jeder Offensivaktion beteiligt. Umso verdienter also sein - abgelenkter - Treffer zum 1:0 für die Basler. 

Brisant:

Bua wird in der 29. Minute vor der Strafraumgrenze gefoult. Das hätte wohl Freistoss geben müssen.

Abwesende:

Basel muss neben van Wolfswinkel auf den lange ausfallenden Kuzmanovic und den Brasilianer Ramires verzichten. Ademi scheint ausserdem angeschlagen zu sein. 

Beim FC Thun ist die Verletztenliste deutlich länger: Berchtold, Ziswiler, Rodrigues, Karlen, Munsy, Hediger, Righetti, Bigler und Wanner fehlen verletzt.

Vorschau:

Am kommenden Donnerstag trifft der FCB auswärts auf Getafe. Anpfiff ist um 21:00 Uhr.